04.08.2026

Was ist Antiskating?

Nun, ohne ein wenig Technik und Physik kann man Antiskating nicht erklären, aber keine Angst, so kompliziert ist es letztendlich nicht.

Zuerst muss man sich damit befassen, wie eine Schallplatte hergestellt bzw. wie die Rille in die Schallplatte kommt. Dazu wird mit einer sogenannten Schneidemaschine die Rille mit dem Musiksignal mittels eines Schneidstichels (ähnlich der Abtastnadel im Tonabnehmersystem) in eine Lackfolie geschnitten, die wiederum die Vorlage für die späteren Pressmatrizen für die Schallplatten ist.

Dieser Schneidstichel wird während dieses Vorgangs absolut gerade in Richtung des Mittelpunkts der Lackfolie geführt. Die geschnittene Rille hat also an der Stelle der aktuellen Bearbeitung keine Winkelabweichung zum Schneidwerkzeug. Man sagt dazu auch, hier gibt es keinen Spurfehlwinkel.

Es gibt ja auch sogenannte Tangentialtonarme, die die Rille auf der Schallplatte ebenfalls gerade zur Rille abtasten, auch diese haben keinen oder einen kaum messbaren Spurfehlwinkel. Für diese gilt die folgende Erklärung nicht. Aber die meisten Plattenspieler sind mit einem sogenannten Drehtonarm ausgerüstet, deswegen treten hier ein paar geometrische Probleme auf.

Da der Drehtonarm sich ja, wie der Name schon sagt, um einen Drehpunkt herumbewegt, steht die Nadel des Tonabnehmers nur an einem einzigen Punkt gerade in der Rille, der Spurfehlwinkel beträgt also Null Grad. Vor und hinter diesem Punkt hat man aber, abhängig von der Länge des Tonarms, erhebliche Abweichungen, der Spurfehlwinkel erhöht sich. Dadurch steigen die Verzerrungen bei der Abtastung stark an.

Um diese Abweichungen und die Verzerrungen zu reduzieren, kam man schon vor Jahrzehnten auf die Idee, die Headshell mit dem Tonabnehmer oder auch den ganzen Tonarm, um einen gewissen Betrag in Richtung der Plattentellerachse anzuwinkeln. Dieser Winkel ist abhängig von der Tonarmlänge und von der Berechnungsgrundlage für diese Geometrieänderung. Hiervon gibt es einige, die unterschiedliche Präferenzen setzen. Die wesentlichen Grundlagen bleiben aber die gleichen. Durch das Abwinkeln des Tonarms bzw. des Tonabnehmers bekommt man nun 2 Punkte, an denen die Nadel gerade in der Rille steht. Man bezeichnet diese Punkte als „Nulldurchgänge“. Diese Nulldurchgänge liegen je nach Berechnungsgrundlage bei 60-70mm und 120-140mm Schallplattenradius. Natürlich entstehen an den Positionen neben den Nulldurchgängen ebenfalls Abweichungen des Spurfehlwinkels und Verzerrungen, aber diese sind erheblich geringer als bei einem geraden Tonarm. Dieses Prinzip hat sich bereits über Jahrzehnte bewährt.

Und, ist jetzt alles gut? Nein, natürlich nicht!

Nachdem wir die Tonarmgeometrie verbessert haben, kommt uns jetzt die ganz normale Physik in die Quere…Wenn sich die Schallplatte dreht und der Tonabnehmer mit seiner Nadel die Rille mit dem Musiksignal abtastet, entsteht natürlich Reibung zwischen der Nadel und der Schallplatte. Und diese Reibung sorgt dafür, dass eine Kraft entsteht, die die Nadel bzw. den ganzen Tonarm mit in die Bewegungsrichtung der Schallplatte ziehen möchte. Da passiert aber nichts, denn der Tonarm ist ja an seinem Drehpunkt auf dem Plattenspieler befestigt.

Und hätten wir jetzt den geraden Tonarm von Bild 2, wäre das auch gar nicht wichtig. Haben wir aber nicht! Denn der reale Tonarm ist ja um einen gewissen Betrag abgewinkelt bzw. hat eine abgewinkelte Headshell. Und damit zeigt der Kraftvektor der Reibungskraft nicht mehr genau auf den Tonarmdrehpunkt, sondern etwas daneben nach außen versetzt. Und wenn eine Kraft außerhalb eines Drehpunktes ansetzt, haben wir einen Hebel. Und dieser Hebel drückt nun den Tonarm leicht zur Schallplattenmitte hin.

Und hier haben wir nun unsere Skatingkraft!

Diese sorgt dafür, dass die Nadel stärker an eine Flanke der Schallplattenrille gepresst wird. Mit dem Ergebnis, das die Rille und die Nadel einseitig stärker belastet und verschlissen wird und auch einseitig höhere Verzerrungen auftreten. Und aus diesem Grund hat man sich verschiedene Verfahren ausgedacht, um die Skatingkraft zu kompensieren. Das bekannteste Verfahren ist sicherlich das kleine Gegengewicht an einem Faden, was an vielen Tonarmen zu sehen ist. Es gibt aber auch kleine federbelastete Hebel oder magnetische Ausführungen, die der Skatingkraft entgegenwirken. Und hier haben wir nun das anfangs erwähnte Antiskating. Die Einstellung des Antiskatings ist meist recht einfach und auch gut in der Bedienungsanleitung des jeweiligen Tonarms oder Plattenspieler beschrieben. Aber man sollte diese Einstellung am besten mit einer guten Testschallplatte und Kopfhörern gehörmäßig überprüfen, das ist wesentlich präziser.

Vorsicht! Es gibt Testschallplatten, die haben Bereiche ohne Rillen zum Einstellen der Antiskatingkraft. Das taugt nicht zur Einstellung, denn diese Kraft entsteht ja durch die Reibung zwischen RILLE und NADEL!

Und man sollte auch bedenken, dass die Reibung auch durch den Schliff des Abtastdiamanten beeinflusst wird. Konische Schliffe haben andere Reibungskräfte als zum Beispiel Elliptische oder Micoline Schliffe. Auch aus diesem Grund ist die Einstellung mit einer Testschallplatte optimal.

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