05.02.2026

Die Magie der Schallplatte

In den letzten Jahren sind, allen Unkenrufen zum Trotz, die Umsatzzahlen einer eigentlich schon abgeschriebenen Technik regelrecht explodiert. Die Rede ist von Schallplatten und den Geräten zur Wiedergabe. Man kann heute zu Recht sagen, dass es noch nie so viele verschiedene Plattenspieler, Tonarme und Tonabnehmersysteme auf dem Markt gegeben hat wie heutzutage. Außerdem werden an vielen Stellen neue Plattenpresswerke eingerichtet, zum großen Teil mit Pressmaschinen aus 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, die liebevoll aufbereitet und gepflegt wurden. Und diese Presswerke sind tatsächlich ausgelastet, kommen teilweise mit der Produktion kaum noch nach…

Wieso, fragt man sich doch?

Hier ist ein Markt entstanden, der auf Basis einer über 100 Jahre alten Technik fußt. Einer Technik, die in den Grundzügen eigentlich recht primitiv und außerdem fehlerbehaftet und empfindlich ist. Seien wir ehrlich, jeder billige CD-Spieler aus dem Elektronikmarkt liefert einen besseren Frequenzgang, größere Kanaltrennung und wesentlich geringere Verzerrungen als ein Plattenspieler/Platten System. Von einer einfacheren Handhabung und höherem Bedienkomfort ganz zu schweigen.

Was also bewegt die Leute, sich mit kiloschweren Laufwerken, kapriziösen Tonarmen und empfindlichen Tonabnehmersystemen zu beschäftigen und darauf schmutzempfindliche und alles andere als perfekte Speichermedien abzuspielen?

Es ist das genaue Gegenteil zur heutigen Musikkultur, in der Dank Streaming und Handy die Musik zu einem reinen Konsumartikel und einem „Stillevertreiber“ herabgewürdigt wurde.

Es ist die fast kontemplative Herangehensweise, wenn man Musik von Platte hören möchte. Die Platte wird aus dem Regal gezogen, vorsichtig aus der Hülle genommen und mit Bedacht auf den Plattenteller gelegt. Eventuell noch mit einer Plattenbürste vom Staub befreit, dann senkt sich die Nadel bedächtig in die Einlaufrille und die Musik setzt ein. Der Hörer setzt sich in den Sessel, betrachtet das kunstvoll gestaltete große Cover der Platte und liest vielleicht die im Inneren des Covers abgedruckten Texte. Keine Texte in kleinster 6 Punkt Schrift, kein Skippen zum nächsten Titel per Fernbedienung – nein, man lernt wieder ein komplette Plattenseite anzuhören und den Vorstellungen der Künstler zu folgen. Ein Konzeptalbum wie „The Wall“ würde in der heutigen Streamingwelt mit ihren Dreiminutenhits überhaupt nicht mehr registriert werden. Man lernt mit der Schallplatte wieder zuzuhören. Und entdeckt vielleicht die eine oder andere Schallplatte neu.

Auch wenn die Wiedergabe von etlichen Parametern und Einstellungen abhängig ist – man beschäftigt sich wieder aktiv mit der Technik und deren Möglichkeiten zur Optimierung. Tauscht sich mit anderen Musikliebhabern aus. Weil es etwas anderes ist, als einfach ein Glitzerscheibe in eine rechteckige Kiste zu stecken oder eine wirre Playlist mit beliebig zusammengestellten Stücken über das Handy anzuspielen.

Tatsächlich kaufen auch viele junge Menschen wieder Schallplatten. Und viele dieser Käufer haben noch nicht mal einen Plattenspieler, genießen aber die kunstvoll gestalteten Cover. Es ist offensichtlich noch nicht alles verloren…

Ein Denkanstoß 😉.

Jürgen Schwelm

 

 

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